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Das Krankheitsbild "Demenz"

 

1. Krankheitsbild

Bei den Demenzen handelt es sich um Erkrankungen, die mit einer Beeinträchtigung des Gedächtnisses sowie weiterer Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit einhergehen. Bei vielen Betroffenen entwickeln sich im Verlauf auch noch andere Auffälligkeiten in körperlicher und seelischer Hinsicht.

Die häufigste Ursache einer Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, aber auch andere Erkrankungen können zum Bild einer Demenz führen.

Während früher eine Demenzerkrankung als kaum zu beeinflussendes Schicksal galt, zeichnen sich heutzutage therapeutische Ansätze ab, wenngleich eine Heilung, insbesondere der Alzheimer-Demenz und der gefäßbedingten Demenz, noch nicht möglich ist.

Wichtig ist aber immer die medizinische Untersuchung und Abklärung, um herauszufinden, was hinter den Symptomen wie Vergesslichkeit und Verwirrtheit steckt. Auch für die Therapie ist eine genaue Klärung der Diagnose vorzugsweise durch einen Facharzt (z.B. beim Neurologen, Gedächtnissprechstunde, Gerontopsychiatrische Ambulanz) wichtig.

Auf den ersten Blick mag es irritieren, wenn im weiteren Verlauf von „Demenzen" und nicht von einer Demenz gesprochen wird. Damit kommt aber zum Ausdruck, dass es sich um eine Gruppe unterschiedlicher Krankheiten handelt.

 

2. Woher kommen Demenzen? - Ursachen der Demenzerkrankungen

Bei der Alzheimer-Demenz als häufigster Ursache einer Demenzerkrankung sind einige Faktoren inzwischen erforscht.

Wesentlich im Krankheitsprozess sind abnorme Eiweißablagerungen zwischen den Nervenzellen, die Amyloid-Plaques und auch in den Nervenzellen, das sogenannte Tau-Protein, das bei der Alzheimer-Demenz in veränderter Form vorliegt.

Daneben ist einer der Botenstoffe im Gehirn, einer der so bezeichneten Neurotransmitter, bei der Krankheit nur in verminderter Konzentration nachweisbar. Es handelt sich dabei um den Neurotransmitter Acetylcholin. Bei der Alzheimer-Demenz stellt diese Veränderung einen Angriffspunkt für Medikamente dar – die neuen Antidementiva sind in der Lage, im Gehirn die Konzentration von Acetylcholin zu erhöhen.
Die Frage, wie diese Faktoren ineinander greifen und wie erbliche Aspekte das Krankheitsbild beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Bei den vaskulären (gefäßbedingten) Demenzen spielt die gestörte Durchblutung im Gehirn die entscheidende Rolle. In der Regel führen aber nicht einzelne schwere Schlaganfälle zur Demenz, sondern viele kleine Durchblutungsstörungen an feinen Gefäßen, die im Rahmen eines Bluthoch-drucks oder einer Zuckerkrankheit schon geschädigt sind. Dadurch ist eine Mangelversorgung einzelner Hirnanteile mit Sauerstoff und Nährstoffen zu erklären.

Bei einem Teil der demenzerkrankten Menschen kommt es auch zu einer Vermischung beider Krankheitsursachen.

Bei einer Reihe der seltenen Ursachen für Demenzerkrankungen sind die einzelnen Aspekte der Krankheitsentstehung noch weniger geklärt.

 

3. Kann man vorbeugen? - Risikofaktoren

Manche Formen von Demenzen sind noch nicht so weit erforscht, dass sich Risikofaktoren klar benennen lassen. Für die beiden häufigsten Erkrankungen, die zu einer Demenz führen, die Alzheimer-Krankheit und die vaskuläre (gefäßbedingte) Demenz sind aber einige Faktoren bekannt:

Alter
Alle Demenzerkrankungen scheinen im höheren Lebensalter öfter aufzutreten. Insbesondere für die Alzheimer-Krankheit ist dieser Zusammenhang sicher: Je älter der Mensch wird, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten der Erkrankung. Das Risiko wächst mit zunehmendem Alter, so sind bei den über 90jährigen fast 40 Prozent der Menschen betroffen.

Erbliche Faktoren
Diese sind für die Alzheimer-Krankheit inzwischen relativ gut untersucht. Wenn Menschen im Alter von der Alzheimer-Demenz betroffen werden, besteht für deren Angehörigen ein leicht erhöhtes Risiko, im Alter selbst an einer Demenz zu erkranken. Von einer direkten Erblichkeit kann aber keinesfalls gesprochen werden, andere Faktoren treten hinzu.

Etwas anders stellt sich die Situation dar, wenn Menschen deutlich vor dem 60.Lebensjahr an einer Demenz vom Alzheimer-Typ erkranken. Dann kann in bestimmten Fällen das Risiko deutlich erhöht sein, in diesen Familien sind oft mehrere Angehörige erkrankt. Diese Unterform der Alzheimer-Krankheit tritt insgesamt jedoch nur extrem selten auf.

Eine besondere Form der Demenzerkrankung ist die Fronto-Temporale-Demenz (FTD), sie betrifft meist jüngere Menschen, überwiegend ab dem 50. Lebensjahr und zeigt im Anfangsstadium weniger die Störung der Gedächtnisleistungen, als die der sozialen und emotionalen Kontrollfunktionen.

Für die vaskulären (gefäßbedingten Demenzen) sind die gleichen Risikofaktoren festzustellen wie bei anderen Gefäßerkrankungen auch; die wichtigsten sind:

  • Hypertonus (hoher Blutdruck)
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Rauchen

Vorbeugen kann man entsprechend durch die Beeinflussung dieser Risikofaktoren. Der Blutdruck sollte kontrolliert und bei zu hohen Werten entsprechend behandelt werden. Auch die Zuckerkrank-heit bedarf einer entsprechenden Einstellung. Beide Erkrankungen können – wie auch die Fettstoff-wechselstörungen – durch eine ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige körperliche Aktivität günstig beeinflusst werden. Die Entscheidung, mit dem Rauchen aufzuhören, senkt die Risiken für verschiedene Krankheiten.

Diese beeinflussbaren Risikofaktoren zu kontrollieren, erscheint um so wichtiger, da es inzwischen Hinweise gibt, dass sie nicht nur die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einer vaskulären Demenz zu erkranken, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, eine Alzheimer-Demenz zu bekommen.

Weitere Risikofaktoren für beide Demenzformen sind:

  • Erhöhung des Homocysteinspiegels

Beim Homocystein handelt es sich um eine Substanz, die im
Eiweißstoffwechsel eine Rolle spielt.
Bei bestimmten Vitaminmangelzuständen kann sie im Blut in erhöhter Konzentration nachweisbar sein.

  •  Alkohol

In Maßen genossener Alkohol scheint das Risiko für eine Alzheimer-Krankheit oder eine vaskuläre Demenz nicht wesentlich zu beeinflussen. Eindeutig ist aber, dass Alkohol im Übermaß zu einer Schädigung auch des Gehirns und damit zu einer Demenz führen kann.

 

 

4. Welche Symptome treten auf?

Gedächtnisstörungen
Probleme mit dem Gedächtnis können, müssen aber nicht in jedem Fall, auf eine Demenz-erkrankung hinweisen. Auch unter starker seelischer Belastung und Stress kann es – dann aber in der Regel vorübergehend – zu Gedächtnisstörungen und Konzentrationsproblemen kommen.
Bleiben die Probleme mit der Erinnerung aber bestehen, verstärken sie sich und treten auch in relativ unbelasteten Lebenssituationen auf, muss an eine mögliche Demenzerkrankung gedacht werden.

Die Probleme beziehen sich oft zunächst auf alltägliche Dinge wie anstehende Termine, kurz zurückliegende Telefonate oder Besuche sowie Absprachen mit Angehörigen. Da das Gedächtnis an länger zurückliegende Ereignisse und Erfahrungen besser „funktioniert", erzählen die Erkrankten oft von früher.

Auffällig wird für die Angehörigen auch, dass sie oft die gleichen Fragen stellen oder im Rahmen eines kurzen Besuches immer die gleichen Geschichten erzählen. Erst im weiteren Verlauf einer Demenzerkrankung sind auch frühere Erinnerungen betroffen. So fällt es erkrankten Menschen oft schwer, wichtige biographische Daten anzugeben wie z.B. das Jahr der Eheschließung oder die Geburtsjahrgänge der eigenen Kinder.

Orientierungsstörungen
Die Orientierung bezieht sich auf die Zeit, den Ort, die Situation und die eigene Person.
Die zeitliche Orientierung ist besonders störungsanfällig. Schon im Urlaub kann man mit dem Datum und dem Wochentag durcheinandergeraten. Kann aber jemand nicht den aktuellen Monat oder das Jahr angeben, stimmt das doch bedenklich. Ebenso ist die Orientierung in einer fremden Umgebung schnell gestört, findet sich aber jemand auf vertrauten Wegen nicht zurecht, z.B. in der Umgebung des unmittelbaren Wohnortes, kann das auf eine dementielle Erkrankung hinweisen. Auch wenn jemand z.B. nicht erfassen kann, dass er sich in einem Krankenhaus befindet, ist das ein Symptom einer möglichen Demenz. Die anhaltende Orientierungsstörung zur eigenen Person, wenn jemand sein Alter nicht einmal mehr in der Größenordnung korrekt angeben kann, lässt schon eine schwerer wiegende Erkrankung vermuten.

Weitere Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit
Betroffen ist im Verlauf von Demenzerkrankungen oft die Fähigkeit, vorausschauend zu planen. So kann z.B. der Besuch der Kinder am Sonntagnachmittag zu einer schwierigen Aufgabe werden. Wie viele Gäste kommen, sind die entsprechenden Vorräte im Haus, gibt es nicht eine andere Verab¬redung zur gleichen Zeit? Das alles bedarf einer Überlegung und Planung, die in gesunden Tagen fast unbemerkt ablaufen, aber bereits bei einer leichteren dementiellen Erkrankung schon sehr schwer fallen können.

Auch die Kritik- und Urteilsfähigkeit kann betroffen sein. Wenn ein sonst sicherer Autofahrer mehrfach „Bordsteine mitnimmt" oder Beinahzusammenstöße erlebt, muss er sich fragen, warum der Umgang mit dem Auto nicht mehr so gelingt wie früher. Geht er einfach darüber hinweg, bagatellisiert er die Vorkommnisse oder nimmt sie gar nicht richtig wahr, so kann das Ausdruck einer gestörten Kritik- und Urteilsfähigkeit sein.

Besonders problematisch ist dies bei manchen Demenzformen, bei denen diese Kritikminderung ein frühes Symptom ist und vor den Gedächtnisstörungen auffällig wird. Auch das abstrakte Vorstellungsvermögen kann abnehmen, z.B. der Umgang mit Geld.

Beeinträchtigung der Sprache
Die Störung der Sprache ist bei manchen Demenzformen ein frühes Krankheitssymptom. Das kann bei einer durchblutungsbedingten Demenz der Fall sein, wenn entsprechende Hirnregionen betroffen sind, aber auch bei der Alzheimer-Demenz haben die Betroffenen schon früh Schwierig-keiten, die richtigen Worte zu finden, können nicht mehr ausdrücken, was sie sagen wollen. Bei bestimmten Formen der sogenannten frontalen Demenzen sind Sprachstörungen das beherrschende Symptom.

Seelische Veränderungen
Vielfältige seelische Symptome treten in allen Phasen von Demenzerkrankungen auf. Besonders zu Beginn der Erkrankung, aber auch im Verlauf, sind Angst und depressive Symptome wie Nieder-geschlagenheit und Antriebslosigkeit häufig. Oft ist es eine den Betroffenen überwältigende Ratlosig¬keit, die ihn verzweifeln lässt. Manche Menschen reagieren darauf aber auch mit Abwehr, was sich für die Angehörigen als Gereiztheit und Aggressivität darstellt.

Oft müssen zudem wahnhafte Symptome wie z.B. das Gefühl, bestohlen worden zu sein, in diesem Zusammenhang gesehen werden. Unruhe und Schlafstörungen sind für den Betroffenen wie für die Angehörigen oft gleichermaßen quälend.

Neurologische Symptome
Auch wenn Demenzen bei unterschiedlichen Krankheiten auftreten, so sind es doch letztendlich Störungen im Gehirn, die zu den bisher genannten Symptomen führen. Wie bei anderen Gehirn-erkrankungen treten im Verlauf daher auch weitere Symptome auf wie Gangstörungen, die manch-mal an eine Parkinson-Krankheit erinnern können. Auch Schluckstörungen sind ein nicht so seltenes Problem im Verlauf einer Demenzerkrankung, was zu erheblichen Problemen bei der Ernährung führen kann. Ebenso kann es zu einer Urininkontinenz kommen, da auch ein Teil der Blasenfunktion direkt vom Gehirn gesteuert wird.

Dauer der Symptome
Um eine Demenzerkrankung feststellen zu können, müssen die genannten Symptome über einen längeren Zeitraum, mindestens seit einem halben Jahr, bestehen.

Ist jemand nach einer Operation mit einer Vollnarkose oder im Verlauf einer schweren körperlichen Erkrankung für einige Wochen verwirrt oder desorientiert, so kann dieses noch nicht als Demenz angesehen werden. In der Regel bessern sich die Auffälligkeiten wieder.

Bei manchen Menschen kann allerdings eine schon vorher bestehende Demenzerkrankung nach einer Operation oder körperlichen Krankheit erstmals auffällig werden.

 

5. Welche Krankheiten führen zu einer Demenz?

Unterschiedlichste Erkrankungen können zum klinischen Bild einer Demenz führen. Die häufigsten Ursachen sind die Alzheimer-Demenz, die vaskuläre (gefäßbedingte) Demenz und die Mischformen dieser beiden auch bekanntesten Krankheitsbilder.

Daneben gibt es eine Anzahl weiterer z.T. seltener Erkrankungen des Gehirns, die mit dem Auftreten einer Demenz einhergehen.

Eine dieser Erkrankungen wird als frontale Demenz (auch frontotemporale Demenz oder Morbus Pick) bezeichnet. Sie trifft häufiger auch jüngere Menschen, ca ab dem 50. Lebensjahr. Diese Demenz-Erkrankung, von der wiederum unterschiedliche Formen existieren, ist dadurch gekennzeichnet, dass Gedächtnisstörungen oder andere Ein¬schränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit erst im Verlauf auftreten. Persönlichkeits¬veränderungen wie Störungen der Kritikfähigkeit stehen dagegen am Anfang der Krankheit. Die Menschen werden durch veränderte Verhaltensweisen oder auch unpassendes Verhalten in sozialen Situationen auffällig.

Auch die Demenz vom Lewy-Körperchen-Typ stellt möglicherweise eine eigenständige Demenz-erkrankung dar. Dabei zeigt die Demenz einen wechselhaften Verlauf, häufig kommt es zu früh auftretenden Parkinson-Symptomen wie auch phasenweise zu ausgeprägten Verwirrtheits¬zuständen mit optischen Halluzinationen.

Bei der Parkinson-Krankheit sind Störungen der Bewegungen führendes Symptom der Krankheit. Häufig kommt es zu sehr steifen Bewegungsabläufen und einem Zittern der Hände. Das Denken kann durch die Krankheit verlangsamt sein, eine Störung der geistigen Leistungsfähigkeit, die das Ausmaß einer Demenz einnimmt, kommt aber nur bei einem Teil der Patienten vor, insbesondere bei längerem Krankheitsverlauf.

Auch Blutungen im Kopf, insbesondere solche, bei denen sich die Blutung zwischen Gehirn und Schädelknochen entwickelt, können zu Symptomen einer Demenz führen. Dieses sogenannte Subduralhämatom gehört zu den ursächlich zu behandelnden Demenzen, da – eine rechtzeitige Erkennung vorausgesetzt – eine Operation mit der Ausräumung der Blutung zu einer Behebung oder zumindest wesentlichen Besserung der Symptome führen kann.

Gleiches gilt für Demenzsymptome, die auf einen gestörten Kreislauf des Nervenwassers in Gehirn und Rückenmark zurückzuführen sind. Ist der Abfluss des Nervenwassers gestört, entwickelt sich ein sogenannter Normaldruckhydrocephalus, der ebenfalls durch eine rechtzeitige Operation behoben oder in der Symptomatik gebessert werden kann.

Nicht zu vergessen ist die Demenz bei der Alkoholkrankheit. Der Alkohol ist als giftige Substanz anzusehen, der zu Schäden in allen Organen führen kann. Dabei macht das Gehirn keine Ausnahme und die Schädigung kann soweit gehen, dass eine Demenz auftritt.

Es ist an dieser Stelle nicht möglich, alle Erkrankungen aufzuführen, die mit einer Demenz ein-hergehen können. Viele weitere neurologische und auch einige psychiatrische Erkrankungen kommen in Frage und zusätzlich eine Reihe von anderen Krankheiten, bei denen das Gehirn zweit-rangig betroffen ist, erstrangig ein anderen Organ. So können z.B. bei bestimmten Schilddrüsen-erkrankungen auch Symptome einer Demenz auftreten.

Generell ist zu berücksichtigen, dass alle diese Erkrankungen selten die Ursache einer Demenz darstellen. Es ist aber wichtig, daran zu denken, da einzelne Krankheitsbilder ursächlich zu behandeln sind.

 

 

6. Wie stellt man die Krankheit fest? - Diagnostik bei Demenzerkrankungen

Wenn die Symptome den Verdacht auf eine Demenz lenken, muss eine medizinische Abklärung erfolgen, um die Ursache zu klären und andere Krankheitsbilder auszuschließen.

Dazu gehört die Befragung des erkrankten Menschen selbst wie auch der Angehörigen zu den Symptomen, der Entwicklung der Auffälligkeiten und auch zu früheren Erkrankungen. Wenn Gedächtnisprobleme geklagt werden, kann man diese mit der Durchführung von Testuntersuchungen genauer einschätzen. In solchen Tests werden die Merkfähigkeit und die Orientierung geprüft, aber auch die Sprache und die Fähigkeit, Aufforderungen zu befolgen.
Im Rahmen des Gespräches wird ein psychiatrischer Befund erhoben, eine körperliche und neurologische Untersuchung gehören ebenfalls zur Abklärung.

Durch eine Blutentnahme kann eine Reihe weiterer Erkrankungen ausgeschlossen werden (z.B. Schilddrüsenkrankheiten oder Vitaminmangelzustände).

Zumindest einmal sollten auch sogenannte „bildgebende Verfahren" zum Einsatz kommen, und zwar eine Computertomographie, also eine Röntgenschichtuntersuchung des Gehirns oder eine sogenannte Kernspintomographie. Dadurch können andere Erkrankungen wie z.B. eine Blutung oder ein Tumor im Kopf ausgeschlossen werden, auch lassen sich Hinweise auf abgelaufene Durchblutungsstörungen finden. Zu bedenken ist, dass eine Alzheimer-Krankheit auch bei unauffälliger Computertomographie bestehen kann, direkt sichtbar ist diese Demenzerkrankung auf den Bildern nicht.

Die Diagnostik ist individuell auf jeden einzelnen Patienten abzustimmen, je nach Symptomatik und weiterer Krankheitsvorgeschichte. Je jünger ein Patient ist, desto eher kommen auch seltene Ursachen einer Demenz in Frage, so dass z.B. bei einem Anfang 60jährigen Menschen mit Zeichen einer Demenzerkrankung weitere Untersuchungen, wie z.B. eine Nervenwasseruntersuchung (Liquorpunktion) erforderlich werden können.

 

7. Wie geht es weiter? - Verlauf von Demenzen

So wie es nicht „die Demenz" gibt, so gibt es auch nicht „den Verlauf".

Der Verlauf einer Alzheimer-Krankheit kann sich anders darstellen als bei einer durchblutungs-bedingten Demenz. Während die Alzheimer-Demenz oft mit einer schleichenden Verschlechterung einhergeht, sind bei der gefäßbedingten Demenz abrupte rasche Verschlechterungen möglich, manchmal auch leichte Verbesserungen. Diese durchblutungsbedingten Demenzen können auch über einen bestimmten Zeitraum kein Fortschreiten zeigen.

Es kann aber auch innerhalb eines Krankheitsbildes sehr unterschiedliche Verläufe geben. Gerade bei der Alzheimer-Krankheit scheint es Kranke zu geben, bei denen die Krankheit sich sehr schnell verschlechtert, während andere einen langsameren Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit erleiden.

Nicht bei jedem Kranken treten alle Symptome regelmäßig auf. Die Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit müssen zwar vorhanden sein, um die Diagnose einer Demenz zu stellen, ob aber z.B. Unruhe, Wahn oder Halluzinationen auftreten, ist sehr unterschiedlich. Manche Kranke sind eher getrieben und unruhig, andere sind kaum zu einer Aktivität zu bewegen.

Grundsätzlich bleibt aber leider festzustellen, dass die Erkrankung immer chronisch und auch fortschreitend verläuft.

 

8. Was kann man behandeln? - Therapeutische Aspekte von Demenzerkrankungen

In einzelnen und sehr seltenen Fällen kann man die Ursache einer Demenz behandeln, wenn diese z.B. auf eine Blutung im Schädel zurückzuführen ist. Für den allergrößten Teil der Demenzen, insbesondere für die große Gruppe der Alzheimer-Demenzen und für die vaskulären (gefäß-bedingten) Demenzen muss man aber feststellen, dass eine Heilung bisher nicht möglich ist.

Ziel aller therapeutischen Maßnahmen ist daher:

  • ein demenzerkrankter Mensch, der im Rahmen seiner Möglichkeiten ein zufriedenes Leben führt
  • ein betreuender Mensch, der für diese Aufgabe Unterstützung erhält und sie bewältigen kann, ohne ständigan die Grenzen seiner seelischen und körperlichen Belastbarkeit zu stoßen oder diese zu überschreiten.

Zur Erreichung dieses Ziels sind medikamentöse Therapien hilfreich, aber sie können nur einen vergleichsweise kleinen Beitrag leisten. Sie stellen nur eine Säule der Demenzbehandlung dar, die nichtmedikamentösen Therapien sind von hoher Bedeutung.

Nicht-medikamentöse Therapien
Darunter fallen einerseits die begleitenden Therapien wie die Sprachtherapie (Logopädie) und die Ergotherapie (die auch das Gedächtnistraining umfassen kann) und auch die Krankengymnastik. Zu berücksichtigen ist immer, dass diese Therapien die Mitarbeit des Patienten erfordern und auch die erhaltene Fähigkeit, Aufforderungen zu befolgen und umzusetzen. Daher sind sie oft zu Beginn einer Demenzerkrankung hilfreich.
In letzter Zeit rückt die Bewegungstherapie für Demenzerkrankte stärker in den Vordergrund, da Bewegung nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit verbessern kann.
Andere Verfahren wie z.B. die Validation wurden von pflegerischer Seite entwickelt und beziehen sich auf einen besonderen Umgang mit Demenzkranken, der zu deren Wohlbefinden erheblich beitragen kann.

Wesentlich sind auch die Möglichkeiten, die Umgebung des demenzerkrankten Menschen und die Umgangsweise so zu gestalten, dass sie einerseits für den Betroffenen Anregung ohne Über-forderung darstellen und andererseits auch für den Betreuenden Perspektiven der Entlastung eröffnen.

Medikamentöse Therapien
Bei der medikamentösen Behandlung unterscheidet man Medikamente

  • zur Behandlung der kognitiven Störung selbst, also zur Behandlung von Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit
  • zur Behandlung von psychiatrischen Zusatzsymptomen wie Depressivität oder von Verhaltensauffälligkeiten wie starker Unruhe oder Aggressivität.

Medikamente zur Förderung der Hirnleistung gibt es schon recht lange. Früher wurden sie als „Nootropika" bezeichnet, heute in der Regel als „Antidementiva".

Zu den älteren Präparaten gehören Mittel wie die Ginkgo-Präparate oder der Inhaltsstoff Piracetam. Gemeinsam ist diesen Präparaten, dass der Wirkungsmechanismus nicht eindeutig geklärt ist und die Wirksamkeit nicht immer in systematischen Studien nach heutigen Standards erbracht wurde.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Medikamente nicht bei einem Teil der Betroffenen wirksam sind und weiter verabreicht werden sollen.

Die neuen Antidementiva sind seit einigen Jahren verfügbar. Von ihnen ist der Wirkmechanismus bekannt und ihre Wirksamkeiten auf die Kernsymptome der Demenz sind nach bestimmten Studienstandards nachgewiesen.

Zu diesen Mitteln gehören (jeweils Inhaltsstoff/Handelsname)

  • Donepezil/ Aricept
  • Rivastigmin/ Exelon
  • Galantamin/ Reminyl
  • Memantin /Axura bzw. Ebixa

Diese Medikamente können den Verlauf einer Alzheimer-Demenz positiv beeinflussen – durch eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung – selten durch eine wirkliche Besserung.

Fazit daher auch der neuen Antidementiva:
Sie sind „keine Wundermittel", sie heilen eine Demenz nicht, aber sie können den Verlauf einer chronischen und fortschreitenden Erkrankung positiv beeinflussen.

Treten im Rahmen einer Demenzerkrankung neben der Störung der geistigen Leistungsfähigkeit weitere Symptome auf, wie Depressionen, Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, so sind häufig weitere Medikamente – sogenannte Psychopharmaka – erforderlich.

Die Mittel gegen Depressionen, insbesondere die modernen Antidepressiva, haben relativ wenig Nebenwirkungen, auch die neueren Mittel gegen Wahn und Halluzinationen, die sogenannten Neuroleptika, sind relativ besser verträglich als früher. Da die genannten Symptome für den Betroffenen sehr quälend und angstbesetzt sein können, sind entsprechend Medikamente manchmal unverzichtbar. Gerade in der Anwendung bei Demenzerkrankten sind sie aber immer mit besonderer Vorsicht und in möglichst niedriger Dosierung zu verwenden.

Besonders problematisch ist die medikamentöse Behandlung von sogenannten „Verhaltensauffälligkeiten" wie ausgeprägter Unruhe, Schreien, Aggressivität. Bei solchen Symptomen sollten zunächst die Möglichkeiten der Umgebungsgestaltung genutzt werden, bevor Medikamente zum Einsatz kommen. Manchmal sind sie allerdings auch in diesen Situationen hilfreich und können zur Entlastung der Betroffenen und der pflegenden Angehörigen beitragen. Oft müssen diese Medikamente auch nicht auf Dauer verabreicht werden, so dass unbedingt eine regelmäßige fachärztliche Überprüfung der Notwendigkeit der Medikamentengabe zu empfehlen ist.

Autorin: Friederike Buschmann, Oberärztin Gerontopsychiatrie, Demenz-Servicezentrum Region Dortmund

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