Im Foyer des Rathauses, in unmittelbarer Nähe zum Stadtmodell, sind
Modelle der Lüner Rathäuser ab 1514 ausgestellt. In zwei Vitrinen
werden die beiden ehemaligen Rathäuser am alten Markt von 1514 bis 1847
und von 1849 bis 1968 sowie das jetzige Rathaus (ab 1960) im Maßstab
1:100 gezeigt. Die Modelle fertigte der Modellbauer Dieter Maas aus
Münster nach Vorgaben des Stadtarchivs Lünen. Die GbR Rathaus
(Bauverein zu Lünen und WBG Lünen) stifteten die Modelle der Stadt zum
Abschluss der Sanierungsarbeiten an dem Rathaus am 14. Oktober 2004.
Zur Geschichte der Rathäuser der Stadt Lünen
Rathaus bis 1512
Das Lüner Rathaus stand als Verwaltungs- und Repräsentationsgebäude der Stadt am (alten) Marktplatz und in unmittelbarer Nähe zur Stadtkirche St. Georg. Es ragte etwas in den Platz hinein, wodurch die hier zusammentreffenden Fernstraßen überblickt werden konnten.
1457 brach in dem Haus neben dem Rathaus ein Brand aus, der nahezu die ganze Stadt zerstörte. Hierbei wurde auch das Rathaus beschädigt. 1512 brach erneut ein Stadtbrand aus. Nur wenige Gebäude blieben verschont. Auch das Rathaus wurde ein Raub der Flammen und stürzte ein.
Rathaus 1514 - 1847
Marktplatz mit Rathaus und
Stadtkirche St. Georg
(Gemälde um 1830, Ausschnitt)
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Eingang zum Rathaus mit Stadtsekretär
(Ausschnitt aus dem Modell)
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- 1513/1514: Bau des neuen Rathauses; Verwendung
von nicht benötigten Steinen des alten Rathauses zum Wiederaufbau der östlichen
Stadtmauer
- 1565: Am 10./11. April wird dem Landesherrn, Herzog
Wilhelm von Kleve-Mark, und seinem Gefolge im Ratssaal eine Mahlzeit kredenzt
- 1591: Im
Ratssaal findet eine große Hochzeit statt
- 1598: Während
des Spanisch-Niederländischen Krieges halten spanische Soldaten im Ratssaal
ihre Gottesdienste ab
- 1603: Hochwasser;
das Wasser steigt bis in das Rathaus
- 1614: Bürgermeister
Cramer lässt die große Ratsstube als Anbau errichten
- 1614/1760: Bau
eines Wohnhauses an die Ratsstube für den Küster und den Kantor der St.
Georgskirche
- 1687: Die
Vorderfront des Rathauses wird als "wüst" (stark beschädigt)
beschrieben
- 1743: Umfangreiche
Renovierungsarbeiten
- um 1760: Raumaufteilung:
Ratssaal, Ratsstube, Wachtstube, Accisestube, Stadt- und Kornwaage, Gefängnis
- 1835: Beschreibung
des Rathauses durch den holländischen Landschaftsmaler Johannes Franciscus
Christ:
"Das Rathaus ist das einzige interessante Gebäude, das ich gefunden habe,
vor allem die gotischen Säulen, die dasselbe stützen. Man kann nicht gerade
sagen, daß die Lüner Bürger besonders stolz auf ihr Kapitol sind. Es befand
sich in einem Zustand des malerischen Verfalls. Aus den scheibenlosen Fenstern
des Ratssaales krähte der Hahn, und im Gefangenenkeller hausten die Schweine
des Pförtners."
- 1837: Abtrennung
einer Gerichtsstube vor der Ratsstube als Aufenthaltsraum für die Parteien;
einmal monatlich findet hier ein Gerichtstag des Landgerichts Dortmund statt
- 1847: Am 11.
April beginnen die Abbrucharbeiten am Rathaus
Rathaus 1849 - 1968
Das vielen Lünern als "altes" Rathaus in Erinnerung gebliebene Gebäude wurde 1847 an gleicher Stelle wie sein Vorgängerbau errichtet. Es besaß jedoch eine rechteckige Form: Die Vorderfront war rund 15 Meter breit, die Seitenlänge betrug rund 18 Meter.
Rathaus um 1900
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Abbruch des Säulengangs
mit Balkon, 1937
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Abbruch im Juli 1968
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- 1847,
26. Juni: Grundsteinlegung für das neue Rathaus
- 1849,
17. Juni: Fertigstellung der Baumaßnahme; Kosten: 8.526 Taler und 19 Silbergroschen
- 1850:
Erste Bauschäden
- 1905,
23. Oktober: Feierliche Übergabe nach umfangreichen Renovierungsarbeiten
- 1916:
Gasanschluss
- 1919,
20. Februar: Beschießung des Rathauses während der gewaltsamen Auflösung des
Lüner Arbeiter- und Soldatenrates durch die Dortmunder Sicherheitswehr
- 1921:
Anschluss an das Stromnetz
- 1937,
4. Februar: Das Rathaus wird Dienstgebäude der NSDAP (Unterbringung mehrerer
Partei-Organisationen)
- 1937,
April/Mai: Umfangreiche Umbauarbeiten und Abbruch des Säulengangs mit Balkon
- nach
1945: Unterbringung der
Volksbücherei, dann des Kulturamtes (mit Kunstausstellungen), danach
Geschäftsräume für ein Unternehmen im Rathaus
- 1968,
9. Juli: Beginn der Abbrucharbeiten
Stadthaus 1931-1960

Stadthaus am heutigen Spormeckerplatz, um 1930
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1931 bezog die Verwaltung das ehemalige Gebäude des Progymnasiums (erbaut 1908). Der Hauptsitz der Verwaltung lag nun nicht mehr im Stadtkern, sondern außerhalb am heutigen Spormeckerplatz. Vielleicht hat deswegen das Stadthaus nie die Bezeichnung Rathaus erhalten.
Nach dem Bezug des neuen Rathauses wurde das Gebäude nach umfassenden Umbauarbeiten, die das Aussehen gänzlich veränderten, erneut zum Schulgebäude (1964).
Rathaus seit 1960

Erster Spatenstich durch
Oberbürgermeister Adolf Stock
mit Hilfe einer Planierraupe, 1956
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Bauphase, 1958;
im Vordergrund Markt und ehemalige
Häuser der Mauerstraße
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Übergabe des Rathauses durch den
Präsidenten des Deutschen Städte-
tages, Willy Brandt, 1960
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Das neue Rathaus wurde im Bereich des früheren Stadtwalles zwischen der
Graf-Adolf-Straße, der Lippe, der Mauerstraße und der Bäckerstraße
errichtet und entstand somit möglichst zentral am Rande der alten
Bebauung. Durch seine Gestaltung und Lage sollte es den Blickpunkt auf
die Mitte der weit auseinandergezogenen Stadt ziehen. Dabei nahmen die
Seitenflügel die baulichen Maßstäbe des alten Stadtkerns auf, an den
sich der Turm des neuen Rathauses anschließt. Trotz seiner Größe wirkt
es durch die trapezförmigen Grundrisse und die geschwungenen Dächer
leicht, die hellen Klinker geben ihm ein freundliches Aussehen.
- 1953: Bildung einer
Rathauskommission zum Bau eines neuen Rathauses
- 1954, 22. November:
Ausschreibung des Wettbewerbs für das neue Rathaus
- 1955, 4. Mai: Die beiden
Berliner Architekten Werner Rausch und Siegfried Stein gewinnen den
Rathauswettbewerb, an dem sich 80 Architekten beteiligten
- 1955, 26. Mai: Ratsbeschluss
zur Errichtung eines neuen Rathauses
- 1956, 21. April: Erster
Spatenstich durch Oberbürgermeister Adolf Stock mit Hilfe einer Planierraupe
- 1956, 6. September: Baubeginn
- 1956, 10. Dezember: Baustopp
aufgrund statischer Probleme
- 1957, 2. Juni: Wiederaufnahme
der Bauarbeiten
- 1958, 8. August: Richtfest
- 1959, 4. September: Einmauern
der Rathaus-Urkunde in den Grundstein
- 1960, 22. Juli: Eröffnung des
Rathaus-Cafés in der 14. Etage (1970 geschlossen)
- 1960, 9. August: Einzug der
Verwaltung
- 1960, 5. Oktober: Eröffnung
des Rathauses durch Berlins Regierenden Bürgermeister Willy Brandt in seiner Eigenschaft
als Präsident des Deutschen Städtetages:
"Dieses Haus muss mehr sein als ein Wahrzeichen
und
Mittelpunkt einer aufstrebenden Stadt. Es ist eine
konkrete Dokumentation, ein Bekenntnis unseres Volkes
und Staates zum Aufbau und Fortschritt. Es ist ein Symbol
des Friedens, ein Symbol der Freiheit!"
Fakten:
Seinerzeit das höchste Rathaus in der Bundesrepublik
Deutschland;
Höhe: 54 Meter; 14 Stockwerke (348 Stufen);
Baukosten: rund 9 Millionen DM
- 1982, Januar: Brandstiftung
im Rathausfoyer; die Reparaturkosten betragen fast 900.000 DM
- 1987, 19. Juni: Beginn der
Sanierung der Rathausfassade (bis 1989)
- 1991, 23. Mai: Eintragung in
die Denkmalliste
- 1995, 12. September:
Auszeichnung für das Rathaus als besonders behindertenfreundlich
- 1995, September/Oktober:
Asbestsanierung
- 1997, März: Beginn der
Fassadensanierung (mit Unterbrechung bis Oktober 2000)
- 2003, 1. Januar: Übernahme
des Rathauses durch die GbR Rathaus (Bauverein zu Lünen und WBG Lünen) für
einen Zeitraum von 30 Jahren
- 2003, 31. März: Beginn der
Innensanierung durch die GbR
- 2004, 14. Oktober: Offizielle
Vorstellung des vollständig sanierten Rathauses