Dreizehn neue deutsche Staatsbürger begrüßte Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick gestern im Rahmen einer kleinen Feierstunde in der 14. Etage des Rathauses und übergab die Einbürgerungsurkunden. Neun männliche und vier weibliche Neubürger, davon zwei Kinder unter 14 Jahren, die teilweise schon lange in Lünen leben oder hier geboren sind, lauschten den Worten und Liedern von Horst Störmer, Vorsitzender des Stadtverbandes für Heimatpflege, der die Neubürger in der neuen Heimat Lünen willkommen hieß. Damit wurden bisher in diesem Jahr 64 Personen eingebürgert.
Die heutige Einbürgerungszeremonie nimmt Willi Engelbertz, Integrationsbeauftragter der Stadt Lünen, zum Anlass, auf die kürzlich veröffentlichte Zuwanderungsstatistik NRW 2009 hinzuweisen. Danach sind 65 % der Menschen mit Migrationshintergrund im Kreis Unna deutsche Staatsbürger, demnach nur 35% Ausländer. Insgesamt ergibt sich für den Kreis Unna ein Migrantenanteil von 23,6 %. Für Lünen gibt es keine Zahlen aus der Zuwanderungsstatistik, aber aus dem Einwohnermelderegister ergibt sich ein Anteil von 25,3 %, so die Recherche von Engelbertz.
Eine andere Zahl wird aber auch für Lünen gesondert angegeben: von 1989 bis 2008 wurden in Lünen 3.843 Aussiedlerinnen und Aussiedler aufgenommen. Durch Zu- oder Fortzüge können sich im Lauf der Zeit allerdings Veränderungen ergeben haben. Ausgewertet wurden Ergebnisse des sogenannten Mikrozensus 2008, einer jährlichen kleinen Volkszählung. Sie hat gezeigt, dass auch bundesweit die Mehrheit der Menschen mit Migrationshintergrund keine Ausländer mehr sind. Sie setzen sich etwa zur Hälfte aus Aussiedlern und Spätaussiedlern sowie ihren Nachkommen zusammen. Die andere Hälfte besteht aus Personen, die selbst oder deren Eltern als Ausländer nach Deutschland gekommen sind.
Die Vorstellung, dass man entweder Ausländer oder Deutscher ist, beschreibt also die heutigen Verhältnisse nur noch unvollkommen, erklärt der Integrationsbeauftragte. Dieses Schwarz-Weiß-Bild stammt aus einer Zeit, als die Abstammung von deutschen Eltern das entscheidende Kriterium für die deutsche Staatsbürgerschaft war. Auch aufgrund von international vergleichenden Studien verwendet die Wissenschaft heute differenziertere Kategorien. Das alte Schwarz-Weiß-Bild wurde um Grautöne ergänzt, so sein persönliches Fazit.
Auch wenn das im Alltag noch nicht überall angekommen ist - im Fußball ist es längst nicht mehr zu übersehen. Was wäre die deutsche Nationalmannschaft ohne Cacau, Klose, Özil, Podolski, Boateng und all die andern? Mehr als die Hälfte aller Feldspieler, die Deutschland in Südafrika vertreten, stammt aus acht verschiedenen Ländern: ein echtes Multikulti-Team, so die Feststellung von Willi Engelbertz.