Auswertung der Befragung zum Rucksackprogramm 2009/2010

Das Rucksackprogramm verbessert die Erziehungskompetenz der Mütter und führt zu positiven Veränderungen in den Familien

Flyerseite Rucksackprogramm

Mütter, die am Rucksackprogramm teilgenommen haben, sehen dadurch viele positive Auswirkungen für sich selber ebenso wie für ihre Kinder und ihr Verhältnis zur Kindertageseinrichtung. Das ist, kurz gesagt, das Ergebnis einer Befragung bei den Teilnehmerinnen des "Rucksackprogramms" 2009/2010 in neun Lüner Kindergärten. Im Vergleich zu einer entsprechenden Befragung vor zwei Jahren haben sich die Zahlen noch deutlich verbessert. Das spricht für die Qualität der Arbeit in den Gruppen.

In den Rucksackgruppen treffen sich Kindergarten-Mütter mit Migrationshintergrund einmal in der Woche unter Anleitung einer zweisprachigen Elternbegleiterin. Sie lernen dort, wie sie die sprachliche und sonstige Entwicklung ihrer Kinder fördern können. Zu Hause üben sie dann mit ihren Kindern anhand von mitgegebenen Unterlagen in der Muttersprache. Parallel dazu findet in der Kindertageseinrichtung die Sprachförderung im Deutschen statt.

Große Auswirkungen hat die Teilnahme am Rucksackprogramm offenbar auf das Verhältnis der Mütter zu ihren Kindern und auf den Umgang mit ihnen. 76,7 % sagen, dass sich die Beziehung zum Kind verändert hat und dass sie sich mehr Zeit für ihr Kind nehmen. In den Familien wird mehr erzählt (bei 75 %), mehr gespielt (bei 71 %),mehr in Kinderbüchern gestöbert (bei 68,4 %) und mehr gebastelt (bei 67 %) als vorher. 65,8 % kaufen Kinderbücher, 51,3 % leihen sie in der Bücherei aus.

Die schriftlichen Äußerungen der Mütter bestätigen das. Hier einige Beispiele: "Ich verbringe jetzt mehr Zeit mit meinem Kind." "Ich verstehe mich jetzt besser mit meinem Kind." "Der Austausch in der Rucksackgruppe ist positiv." "Ich habe Anreize erhalten, andere Aktivitäten mit meinem Kind zu tun." "Ich habe gelernt, wichtige Sachverhalte besser zu erklären." "Die Methode, mit meinem Kind zu lernen, hat sich verbessert."

Natürlich wirkt sich das Programm auch positiv auf die sprachlichen Fähigkeiten aus. Über 89,8 % der Kinder haben nach Einschätzung ihrer Mütter Fortschritte im Deutschen erzielt, und sogar 88,9 % im Türkischen. Dabei spielt sicher eine wichtige Rolle, dass 83,8 % der Mütter mehr als früher darauf achten, wie sie mit ihrem Kind sprechen. Aber auch bei den Müttern wächst der Wunsch, besser Deutsch zu lernen: bei 64,9 % ist das der Fall (und die anderen sprechen meistens gut Deutsch).

Eine andere wichtige Wirkung des 2Rucksackprogramms2 betrifft das Verhältnis zur Kindertageseinrichtung. 94,7 % der Mütter sagen, dass sie jetzt mehr über die Arbeit im Kindergarten wissen. 100 % fühlen sich im Kindergarten wohler, seit sie die Rucksackgruppe besuchen. Für 56 % der Mütter ist es leichter geworden, die Erzieherinnen anzusprechen. Wer weiß, wie oft in pädagogischen Einrichtungen über die Schwierigkeit der Elternarbeit mit Migranten geklagt wird, wird diese Veränderungen nur begrüßen können.

Bleibt noch zu erwähnen, dass 86,7 % regelmäßig teilnehmen, fast 47,4 % mindestens dreimal in der Woche und weitere 40,8 % fünfmal in der Woche mit ihrem Kind die "Hausaufgaben" machen, und 93,4 % sagen, dass ihnen die Arbeit in der Müttergruppe Spaß macht. Inzwischen wird das Rucksackprogramm auch in einigen Lüner Grundschulen angeboten.

Angesichts dieser vielen positiven Auswirkungen sollten wir dafür sorgen, dass das "Rucksackprogramm" in Lünen weitergeführt wird, und auch in Zukunft möglichst viele Mütter mit ihren Kindern davon profitieren.

Das Rucksackprogramm in den Lüner Kindertageseinrichtungen wird durchgeführt in Zusammenarbeit der Regionalen Arbeitstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) des Kreises Unna mit der Abteilung Tagesbetreuung für Kinder sowie dem Integrationsrat der Stadt Lünen.