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Ausgabe Nr. 25: »Auf ein Wort« vom 11.11.2016

Soziale Medien - "Inszenierte Empörung": Wie Meinung "gemacht" wird (Foto: MS Office)

"Inszenierte Empörung": Wie Meinung "gemacht" wird - Nein, das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in Amerika will und werde ich an dieser Stelle nicht bewerten. Wohl aber die Art und Weise der Auseinandersetzung zweier Kontrahenten - und die Mittel, die für diese Schlammschlacht eingesetzt wurden. Das, liebe Leserinnen und Leser, hat mich wirklich entsetzt. Weil dies nicht unbedingt eine US-typische Streitkultur zu sein scheint, sondern auch in Deutschland zur Regel wird.

Stelle eine Behauptung auf, vervielfältige sie über diverse Netze und Medien - die Menschen werden es schon glauben. Gerüchte, auch verdrehte Fakten, werden zur Wahrheit, setzen sich in den Köpfen der Menschen fest - und führen zu bewusst gelenkten Reaktionen.

Was daraus im schlimmsten Fall entstehen kann, haben viele Rednerinnen und Redner am 9. November thematisiert: Die Reichspogromnacht, die sich an diesem Tag zum 78. Mal jährte und deren Opfer wir in dieser Woche gedachten, war der Ausfluss einer "inszenierten Empörung" der Massen, wie es ein Buchtitel treffend beschreibt.

Zurück nach Amerika. Dort wird die Empörung nicht nur inszeniert, sondern auch mit Hilfe von Bots automatisiert: Beiträge werden über soziale Medien gepostet. Nicht etwa von Menschenhand, sondern von einer Software gesteuert. Bots täuschen vor, hinter dem Account steckten echte Personen, die tausende von Botschaften versenden. Dabei ist es computergestützte Stimmungsmache.

Diese soll, so berichtete das Magazin "Focus", nicht nur das Meinungsbild und die Statistik während der Rededuelle von Clinton und Trump beeinflusst haben. Forscher wollen herausgefunden haben, dass Bots auch bei der Brexit-Debatte ausschlaggebend gewesen seien.

Und bei uns in Deutschland? Bisher haben, so berichten die Medien, alle im Bundestag vertretenen Parteien beteuert, den Wahlkampf im folgenden Jahr ohne Bots zu bestreiten. Werbeprofis sollen damit jedoch schon lange arbeiten, um Produkte zu platzieren.

Mich erschreckt die Erkenntnis, wie leicht es mittlerweile offenbar ist, Menschen zu manipulieren. Gibt es eine Möglichkeit, dem zu entkommen? Aus meiner Sicht helfen seriöse Informationsquellen - wozu auch einige Medien gehören -, Aufklärung und Wissen. Dann erkennen vielleicht auch wir Menschen im modernen Medienzeitalter, was schon unser guter, alter Goethe wusste: "Getretener Quark wird breit, nicht stark."

Ich wünsche Ihnen ein gutes Wochenende.

Herzliche Grüße,

Ihr

Jürgen Kleine-Frauns
Bürgermeister der Stadt Lünen

Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns

Assistentin des Bürgermeisters Anna Steinhoff