Gnadenbildnis in der St.-Marien-Kirche
Die Stadt Lünen blickt
auf eine lange und bewegte Geschichte. Im Lauf der Jahrhunderte hat sich so
manch Kurioses, Amüsantes oder gar Schauriges ereignet, oder soll sich,
zumindest nach dem Volksmund zugetragen haben. Hätten Sie gewusst, dass es in der
Stadt an der Lippe nicht nur eine eigene kleine Republik gab, sondern auch der
Teufel hier begraben war, Wunder hier geschahen und die Frauen besonders mutig
sind?
Wohl eher dem Land der
Sagen zuzuordnen ist die Geschichte um die "Teufelskuhle" in
Alstedde, die sich bis 1930 zwischen dem Bauernhof Middendorf und dem
Kapellenweg westlich der Alstedder Straße befunden hat. Der Sage nach holt
denjenigen, der die Kuhle in der Geisterstunde dreimal umkreist, der Teufel.
Dieser soll in Gestalt eines großen, schwarzen Hundes aus der Kuhle gefahren
sein.
Diese Sage fußt
vermutlich auf einer Mischung aus Aberglauben und Tatsachen. So hat sich in dem
Bereich, in dem sich die Teufelskuhle befunden haben soll, ein germanisches
Gräberfeld befunden. Der gesamte Bereich am Sprengersknapp zeigt Anzeichen
eines steinzeitlichen Opferortes. Für die Christen war das Grund genug, die
heidnischen Kulturstätten im Rahmen der Christianisierung zu zerstören, dort
kleine Kapellen zu errichten oder sie mit abschrecken den Namen, wie eben
Teufelskuhle, zu versehen. 1376 errichtete das Stift Cappenberg genau dort eine
Kapelle, doch der Aberglaube lebte Jahrhunderte lang weiter.
Wohl auch eher eine
Legende ist die Geschichte vom Muttergottesbild der St. Marien-Kirche in
Altlünen. Diesem Bildnis wurden wundersame Kräfte nachgesagt. Ausgelöst wurden
sie der Legende nach durch den Ritter Lubbert von Schwansbell. Im 13.
Jahrhundert soll er im Krieg in Livland in Gefangenschaft geraten sein. In
seinem Gefängnis hat er mit einem Knochen ein Bild der Gottesmutter aus Holz
angefertigt und davor seine Gebete um Freiheit verrichtet. Ein Wärter - ein
Ungläubiger, versteht sich - habe dies bemerkt und das Bildnis dreimal mit
einem Dolch beschädigt. Aus allen drei Löchern soll dann Blut geflossen sein,
das zu festen Tropfen wurde, und ein Engel soll den Ritter in der Nacht darauf
befreit haben. Die Blutstropfen brachte der Ritter unter anderem in die St.
Marien-Kirche - daher die Heilkräfte.
Der Mut Lüner Frauen
ist legendär. Schon 1502 haben sie die Dinge gern selbst in die Hand genommen.
Seinerzeit sollen vier Landsknechte aus dem Bistum Münster vor das Lipptor
geritten sein und die Bürger zum Kampf aufgefordert haben. Wie es Vorschrift
ist, verschlossen die Lüner die Stadttore - es könnten im Verborgenen ja noch
mehr Reiter warten. Einige mutige Frauen bestiegen jedoch die Stadtmauer,
zündeten in Pech getauchte Reisigbündel an und bewarfen damit die Landsknechte.
Der Lärm und das Feuer schlug diese in die Flucht und vielleicht auch der
Gedanke darüber, was ihnen von den Männern drohen könnte, wenn schon die Frauen
so mutig sind. Sie wurden nie wieder in Lünen gesehen.
Den Namen
"Siebenpfennigsknapp" für eine steile Anhöhe auf der Straße von Lünen
nach Bork kennen fast alle in der Stadt. Gleich mehrere Deutungen dieses Namens
existieren. Die eine besagt, dass der Gasthof auf dem Knapp im 59. Jahrhundert
von der Tochter des Freiherrn von Stein an einen Mann verkauft wurde, dessen
Name Siebenpfennig oder zumindest ähnlich war. Eine weitere Deutung bezieht
sich auf einen Schlagbaum am Fuße des Berges - eine Zollstelle. Deren Passage
kostete zwei Pfennig, die Knechte ließen sich von ihren Herren aber sieben
Pfennig geben - fünf davon für den Fuhrmannsschnaps, den sie sich in der
Wirtschaft auf dem Knapp genehmigten. Die wahrscheinlichste Überlieferung ist wohl
die, dass die schlecht befestigte Straße rege vom Fuhrverkehr genutzt wurde.
Doch gerade die schwer mit Eisenteilen der Westfalia-Hütte beladenen Fuhrwerke
hatten arge Probleme den Hügel zu passieren. Der Gastwirt auf dem Knapp half
mit seinen Pferden - als Lohn kassierte er sieben Pfennig.
Definitiv keine Sage
und eindeutig belegt ist eine etwas eigenwillige Enklave mitten in Lünen die "Republik
Lippholthausen", die Ende Januar 1977 ausgerufen wurde. Sie hatte sogar
eine eigene, unter dem Motto "Kontra Lünen-Stadt" stehende
Fußgängerzone - den Weg zum Tresen der Gaststätte Rühenbeck an der Brunnenstraße.
Die Monarchie, geführt von einem Majestätenpaar, das beim Runkelschützenfest
ermittelt wurde, hatte noch andere Titel und Attraktionen zu bieten, unter
anderem vergab sie Ehrenbürgerschaften an Menschen aus der "Nachbarstadt"
Lünen. Natürlich war das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee,
aber mit gewissem Charme.