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Eichenprozessionsspinner sorgt für Arbeit und hohe Kosten

Erstellt von Pressestelle Stadt Lünen | |   Startseite

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners haben im Sommer auch in Lünen für Aufregung und Arbeit gesorgt - und für hohe Kosten: Etwa 300.000 Euro hat die Stadt Lünen für die Bekämpfung der Raupen des unscheinbaren Falters ausgegeben. Die Brennhaare der kleinen Tiere können Hautreizungen, allergische Reaktionen und Atemnot hervorrufen. Besonders an Schulen und Kindergärten, aber auch auf Friedhöfen und in Parkanlagen ging die Stadt daher gegen die Eichenprozessionsspinner vor.

Bereits Mitte Mai hatten die Baumexperten der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) bei ihren regelmäßigen Kontrollen die ersten Nester gesichtet. Höhepunkt der Raupenpopulation war der Juni. Aus dem gesamten Stadtgebiet gingen Meldungen über Raupennester ein. Einen besonderen Schwerpunkt bildete hierbei der Lüner Norden, wo es viele Eichen gibt. Zum Teil wurden an einzelnen Bäumen über 50 Nester gesichtet.

Zwischenzeitlich waren insgesamt drei Fachfirmen mit insgesamt acht Teams zu je zwei Mann im Einsatz, um die Situation in den Griff zu bekommen. In Lünen werden die Raupen durch diese Zwei-Mann-Teams mit speziell ausgerüsteten Industriesaugern von den Eichen abgesaugt. Im kommenden Jahr will die Stadt außerdem eine weitere Methode testen: Sie wird Leimfallen am Stamm der Eichen anbringen, die die Raupen während ihrer namensgebenden "Prozession" am Stamm aufhalten.

Andere Methoden der akuten Bekämpfung steht die Stadt kritisch gegenüber: So schaden beispielsweise Spritzmittel häufig auch nützlichen Insekten und können zudem nur bei günstiger Witterung und zu bestimmten Tageszeiten eingesetzt werden. "Hausmittel", wie etwa die Behandlung der Nester mit kochendem Wasser, fügten dem Baum mehr Schaden zu als dass sie nützen, hieß es von der Stadt.

Auf die Sperrung öffentlicher Anlagen konnte in Lünen, bis auf vereinzelte kurzzeitige Ausnahmen, verzichtet werden. Die Stadtverwaltung führt das auf die gute Zusammenarbeit mit den Fachfirmen zurück, die mit der Entfernung beauftragt waren. Davon abgesehen wären Sperrungen in diesem Jahr ohnehin wenig hilfreich gewesen, heißt es in einer Mitteilung der Verwaltung im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung am Donnerstag (28. November): Ein besonderes Problem in diesem Jahr sei der böige Wind gewesen. Er verteilt die Brennhaare der Raupen in der Luft, teilweise bis zu 100 Meter weit. Absperrungen sind dann zwecklos.   

Die Stadtverwaltung plant nun, die Kosten im kommenden Jahr zu reduzieren. Dazu hat sie verschiedene Maßnahmen ins Auge gefasst. Unter anderem will sie natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners fördern. Viele dieser Feinde hat die wehrhafte Raupe nicht, aber bestimmte Insekten und auch Vögel wie Meisen gehören dazu. Daher plant die Stadt, Nistkästen für Meisen anzuschaffen und vor allem nahe Schulen und Kindertagesstätten anzubringen. Außerdem wird sie an verschiedenen Schul- und Kitastandorten insgesamt sieben Eichen, die nicht mehr gesund sind, in diesem Winter fällen.

Langfristig strebt die Stadt zudem an, den Anteil an Eichen in den heimischen Wäldern zu senken. Wegen des Bedarfs an Grubenholz für den Bergbau wurden in der Region früher viele Eichen gepflanzt. Bei heutigen und kommenden Aufforstungen will die Stadt Buchen bevorzugen – zumindest in Bereichen, die an Wohngebiete angrenzen.

Eine wichtige Maßnahme in den Augen der Stadt ist auch die Aufklärung und Beratung der privaten Besitzerinnen und Besitzer von Eichen. Diese beseitigen die Eichenprozessionsspinner häufig nur teilweise, zu spät oder gar nicht. Häufig setzt sich der Befall von diesen Bäumen aus fort, es werden dann auch Bäume im öffentlichen Raum befallen, die bereits von den Raupen gesäubert worden waren. Auch 2019 mussten aus diesem Grund die Baumkletterer der Fachfirmen an einigen der insgesamt 800 Eichen in der Stadt mehrfach nacheinander eingesetzt werden.

Insgesamt war das Aufkommen des Eichenprozessionsspinners 2019 um Einiges höher als im Vorjahr. Die Fachleute der Abteilung Stadtgrün hatten die Zunahme durchaus erwartet. Sie machen vor allem die trockenen und milden Winter dafür verantwortlich, die den Raupen ideale Bedingungen zur Entwicklung und Vermehrung geben. Außerdem seien durch den vermehrten Einsatz von Insektiziden zur Bekämpfung der Raupe in verschiedenen europäischen Regionen auch Insekten in Mitleidenschaft gezogen worden, die als natürliche Feinde der massenhaften Vermehrung des Eichenprozessionsspinners Einhalt gebieten könnten.

Die haarigen Raupen des Eichenprozessionsspinners haben in diesem Sommer zahlreiche Eichen in Lünen befallen, so wie hier eine Eiche an der Brechtener Straße in Brambauer.
Die haarigen Raupen des Eichenprozessionsspinners haben in diesem Sommer zahlreiche Eichen in Lünen befallen, so wie hier eine Eiche an der Brechtener Straße in Brambauer.