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Mit Dagmar Harris-Boag geht ein Urgestein der Lüner VHS

Erstellt von Pressestelle Stadt Lünen | |   News

Die Volkshochschule Lünen hat ihre langjährige Programmbereichsleiterin Fremdsprachen, Dagmar Harris-Boag, verabschiedet. Mit ihr geht ein "Urgestein": 42 Jahre lang war Harris-Boag als Dozentin und Bereichsleiterin bei der Lüner VHS tätig. Ihre Verbindung zur Einrichtung "Volkshochschule" ist allerdings noch älter: Mit 17 Jahren, im Herbst 1971, meldete sie sich in ihrer Heimatstadt Bochum an der dortigen VHS für einen Schwedisch-Kurs an. Da ahnte sie noch nicht, dass dieser Entschluss sie privat und beruflich prägen würde. Wegen ihrer damals langen blonden Haare bat der Kursleiter sie, als „Santa Lucia“ bei der Feier der schwedischen Gesellschaft an der VHS Essen aufzutreten. Dort lernte sie ihren späteren ersten Ehemann, Alan Harris, kennen, der Ende der 70er Jahre stellvertretender Leiter an der VHS Lünen wurde.

Ende der 1970er Jahre erlebten die Volkshochschulen eine Blütezeit, "vor allem auf die Sprachkurse gab es einen Run, Kursleiterinnen und Kursleiter wurden händeringend gesucht", berichtet der heutige Lüner VHS-Leiter Rafael Schönhold. Harris-Boag, mittlerweile junge Mutter, begann 1978 mit Englischkursen an den Volkshochschulen in Waltrop, Kamen, Bergkamen und Lünen. Die studierte Kunsthistorikerin erinnert sich an eine arbeitsreiche Zeit: Vernünftige Lehrwerke für Erwachsene habe es zu dieser Zeit kaum gegeben, Dozentinnen und Dozenten trafen sich stattdessen am Wochenende zu Workshops und erarbeiteten geeignetes Material für den Unterricht. Zudem entstanden die Anfänge des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen und erste Richtlinien für die heutigen Sprachzertifikate sowie die Grundlagen für die sogenannte "erwachsenenpädagogische Qualifizierung für Kursleiter/innen an Volkshochschulen" (EPQ).

Die Zeit habe sie und ihre Arbeit geprägt, erinnert sich Dagmar Harris-Boag heute: "Alle Beteiligten waren in alle Prozesse eingebunden, egal ob hauptamtlich angestellt oder als Honorarkraft tätig. Diese Erfahrungen haben mir als Programmbereichsleiterin für Fremdsprachen unendlich geholfen. Außerdem sind so unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Volkshochschulen Freundschaften entstanden, die bis heute halten." In den 90er Jahren wurde auch an der VHS Lünen das Programm um die Kurse „Deutsch als Fremdsprache“ erweitert. Harris-Boag war von Anfang an dabei, baute den Bereich mit auf und leitete ihn über viele Jahre.

Harris-Boags Verabschiedung am Donnerstag (25. Juni) fand wegen der Corona-Pandemie in kleinem Rahmen statt. Horst Müller-Baß, Beigeordneter und zuständig für die Volkshochschule, dankte der langjährigen Dozentin und Programmbereichsleiterin herzlich für ihr Engagement und die Arbeit für die VHS Lünen. Gleichzeitig begrüßte er die neue Programmbereichsleiterin Fremdsprachen, Julia Steinberg, die seit dem 15. Juni an der VHS ist und derzeit noch von ihrer Vorgängerin eingearbeitet wird.

Langeweile im Ruhestand fürchtet Dagmar Harris-Boag nicht, ließ sie bei ihrer Verabschiedung wissen: Sie freue sich auf mehr Zeit für ihre Liebe zur Literatur und zum Theater. Ehrenamtlich angemeldet sei sie bereits in der Kultur-Loge, einer Vermittlungsstelle von kostenlosen Kulturangeboten für Menschen mit geringem Einkommen. Außerdem warten ihr Garten und ihre drei Enkelkinder auf sie. "Eine Frage werde ich wohl in Zukunft hoffentlich nicht mehr so oft hören", schmunzelt Harris-Boag: "Oma, wann hast du mehr Zeit für uns?"
 

Horst Müller-Baß, Dagmar Harris-Boag, Rafael Schönhold
(c) Stadt Lünen; Der Beigeordnete Horst Müller-Baß (l.) und VHS-Leiter Rafael Schönhold (r.) verabschiedeten Dagmar Harris-Boag, die über 40 Jahre lang die VHS Lünen geprägt hat.