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Kulturpreis 2020 geht an Hermann Nüdling

Erstellt von Pressestelle Stadt Lünen | |   News

Der Maler und Grafiker Hermann Nüdling ist Träger des Kulturpreises 2020 der Stadt Lünen. Das gab der Juryvorsitzende Heinz-Joachim Otto in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag (4. März) bekannt. Üblicherweise werden die Preisträgerinnen und Preisträger in einer Sitzung des Kulturausschusses bekannt gegeben. Diese fallen allerdings derzeit wegen der Corona-Pandemie aus.

In seiner Laudatio ging Otto insbesondere darauf ein, dass Nüdling Spuren in Lünen hinterlassen habe. Im Jahr 2012 hatte der heute 89-Jährige seine letzte große Ausstellung in der Stadtgalerie im Hansesaal gezeigt. Der gebürtige Dortmunder Nüdling lebte seit seiner frühen Kindheit in Lünen, bevor er Anfang der 1980er Jahre die Stadt verließ und aufs Land zog.

Sein Leben war von traumatischen Ereignissen geprägt. 1943 wurde er als Elfjähriger wegen des Krieges nach Cammin - die heutige Lüner Partnerstadt Kamien Pomorski in Polen - evakuiert. Kurz darauf erkrankte er an Knochentuberkulose. Er überlebte, aber nach mehrjährigem Krankenhausaufenthalt in Lünen musste ihm im Alter von 15 Jahren das rechte Bein amputiert werden. "In diesen Jahren war das Zeichnen seine Rettung", berichtete Juryvorsitzender Otto dem Ausschuss.

Nach einem Grafikstudium, verschiedenen beruflichen Zwischenstationen und künstlerischen Studienreisen – beispielsweise zu seinem künstlerischen Vorbild Francisco de Goya - wurde Hermann Nüdling 1967 als Grafiker bei der Stadt Lünen eingestellt, was er bis 1979 bleibt. In dieser Zeit entwarf er unter anderem das "Lüner Kleeblatt", das der Stadt bis 1991 als Logo diente. Große Anerkennung und weltweite Beachtung erhielt der Künstler für sein "Jazz-Light"-Plakat, das er 1976 für das erste Lüner Jazz-Festival entwarf.

Nüdlings Verhältnis zur Stadt Lünen sei nicht immer nur einfach gewesen, berichtete Otto. Aber: Schon 1997 habe Nüdling der Stadt 110 Zeichenblätter aus den Jahren 1960 bis 1989 geschenkt. Mittlerweile habe er sein Gesamtwerk mit über 3700 Grafiken dem Stadtarchiv als Geschenk an die Bürger der Stadt Lünen übergeben. "Damit ist sein Werk vollständig in seine Heimatstadt zurückgekehrt", sagte Heinz-Joachim Otto und lobte: "Ein großes Werk und eine sehr große Geste!"

Otto unterrichtete den Preisträger am Freitagvormittag telefonisch über die Auszeichnung. Er sei "zutiefst gerührt", ließ Nüdling wissen, und sagte: "Heute ist für mich ein Feiertag, ein wunderschöner Tag". Er sei ihm zudem eine große Freude, dass sein Lebenswerk in die Obhut der Stadt übergeben werden konnte: "Es ist für mich auch eine Versöhnung mit meiner alten Heimat", so der Künstler, der sich außerdem besonders für jahrelange Freundschaft und Unterstützung bei den Lünern Jürgen Korn und Karl Marek bedankte.

Der Kulturförderpreis des Jahres 2020 geht an Tillmann Sancken. Der 18-jährige Lüner spielt seit zehn Jahren Saxofon und war bis 2019 Schüler von Catrin Groth an der Musikschule der Stadt Lünen. Otto hob hervor: "Früh begeisterte Tillmann bei Konzerten als Solist mit schon damals auffälligem Talent - auch durch seine Bühnenpräsenz und humorvolle Showeinlagen." Sancken habe sich über die Jahre herausragend entwickelt, in verschiedenen Ensembles der Musikschule gespielt und sich zunehmend auch in eigenen Formationen vor allem der Jazzmusik gewidmet.

Nach dem Abitur begann Sancken ein Freiwilliges Soziales Jahr an der Musikschule Bochum und absolviert parallel dazu ein vorbereitendes Studium an der Jazzakademie in Dortmund. Kontakt zur Lüner Musikschule pflege Sancken weiterhin, betonte Otto und wies auch darauf hin, dass der weiterhin in Lünen wohnende Saxofonist in der jüngsten Vergangenheit auch seine Nachbarschaft mit regelmäßigen abendlichen "Corona-Ständchen" unterhalten hatte.

Für das Jahr 2020 verleiht die Stadt Lünen zum 16. Mal den Kulturpreis, der seit 2017 mit 2.500 Euro dotiert ist. Der Preis wird Einzelpersonen oder Gruppen verliehen, die mit ihrem künstlerischen Wirken eine wesentliche und bedeutsame Leistung für die Stadt erbracht haben. Der Kulturförderpreis wird seit 2017 an Nachwuchskünstlerinnen und -künstler verliehen und ist mit 500 Euro Preisgeld versehen. Vorschläge für den Preis können alle Lüner Bürgerinnen und Bürger einreichen. Den Kulturpreis 2019 hatten Susanne Hocke und Jürgen Lary gewonnen, ein Kulturförderpreis war nicht vergeben worden.

Wann und in welchem Rahmen eine offizielle Preisverleihung an Hermann Nüdling und Tillmann Sancken stattfinden kann, ist angesichts der Corona-Pandemie noch unklar. Weil Nüdling aus gesundheitlichen Gründen keine Reisen mehr unternehmen kann, wird ihm voraussichtlich eine kleine Delegation aus Lünen den Preis an seinem Wohnort in Wettrup überreichen, wenn es wieder möglich ist.

Glasskulptur/Kulturpreis der Stadt Lünen
(c) Stadt Lünen; Der Kulturpreis der Stadt Lünen 2020 geht an Hermann Nüdling