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Bürgermeister-Kolumne "Auf ein Wort" Ausgabe 14 vom 13.04.2019: "Gewerbe- und Freiflächen - Wir müssen gründlich prüfen und abwägen!"

Erstellt von Jürgen Kleine-Frauns | |   BM-Kolumne

Ich habe einen Bekannten, der im Rheinland lebt und seine Rente aufbessern muss. Viele Sonntage im Jahr steht er in einer Nachbarstadt mit seinem Stand auf dem Trödelmarkt, um ausgemusterte und von ihm reparierte Elektrogräte an die Kunden zu bringen. Das Geschäft läuft so gut, dass er expandieren und seine Umsätze deutlich steigern könnte. Leider ist die Größe seiner Aufstellfläche und damit auch die seines Standes begrenzt. Mehr Platz ist nicht drin, sagt der Veranstalter.

An diesen Bekannten erinnert mich die derzeitige Diskussion um Gewerbeflächen in Lünen manchmal: Interessenten von außerhalb, die hier eine Firma errichten wollen und könnten, gibt es genügend. Auch Lüner Unternehmen, denen es glücklicherweise so gut geht, dass sie expandieren möchten, haben wir in unserer Stadt. Flächen allerdings können wir beiden derzeit - wenn überhaupt - nur bedingt anbieten.

Neue Unternehmen anzusiedeln heißt auch, Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen. Rund 4.500 Menschen in unserer Stadt sind derzeit ohne Beschäftigung. Mit einer Arbeitslosenquote von 9,8 Prozent nehmen wir den traurigen Spitzenplatz im Kreis Unna ein.

Zugleich wollen wir aber auch daran denken, dass wir unseren Kindern und Kindeskindern eine Umwelt hinterlassen müssen, in der sie gut und gesund leben können. Deswegen muss auch dem Naturschutz und dem Klimaschutz genüge getan werden, wenn es um die Diskussion über die Ausweisung neuer Gewerbeflächen geht.

Sie sehen: Es ist ein schwieriger Kurs, den wir gemeinsam mit der Politik und unserer Stadtgesellschaft immer wieder aufs Neue bestimmen müssen. In jedem Einzelfall und hier vor allem bei jeder einzelnen Fläche müssen wir jeweils alle Aspekte sachlich abwägen.

In den Diskussionen der letzten Wochen wurde immer wieder die Fläche des stillgelegten Steag-Kraftwerks als die Alternative benannt, mit der sich alle Flächenbedarfe decken ließen. Die Wahrheit ist jedoch, dass diese Fläche jedenfalls zurzeit nicht in die vorgenannten Abwägungen einbezogen werden kann.

Zwar stehen der Lüner Wirtschaftsförderer und ich seit über einem Jahr mit der Steag im Gespräch über diese Fläche. Eigentümer und damit ausschließlich verfügungsbefugt ist aber immer noch die Steag. Das Areal wird auch deshalb nicht von heute auf morgen verfügbar sein, weil der Abriss der Kraftwerksbauten viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen werden.

Mein Fazit: Wir werden noch über einen großen Zeitraum den Spagat zwischen Arbeitsplätzen und Umweltschutz-Belangen üben müssen. Damit uns der Atem nicht ausgeht, sollten wir uns zunächst immer die tatsächliche Sachlage genau anschauen und müssen dann in einem Abwägungsprozess gründlich prüfen. Es geht schließlich um die Zukunft unserer Stadt.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Herzliche Grüße,

Ihr

Jürgen Kleine-Frauns
Bürgermeister der Stadt Lünen

"Auf ein Wort" Ausgabe Nr. 14/2019 vom 13.04.2019: "Gewerbe- und Freiflächen - Wir müssen gründlich prüfen und abwägen!" (Foto: WZL)
"Auf ein Wort" Ausgabe 14 vom 13.04.2019: "Gewerbe- und Freiflächen - Wir müssen gründlich prüfen und abwägen!"(Abbildung: Luftbild Gewerbegebiet Wethmarheide, WZL)