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24. Juli 2026

Gesprächsabend mit Maike Luhmann: Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung

Zeynep Kartal (l.) vom Multikulturellen Forum führte durch den Abend und bezog das Publikum mit zahlreichen Fragen und Wortbeiträgen aktiv in das Gespräch mit Maike Luhmann ein.

Rund 40 interessierte Gäste kamen am 16. Juli in den Großen Saal des Multikulturellen Forums am Platz der Vielfalt, um mit der Psychologin und Einsamkeitsforscherin Maike Luhmann über ein Thema ins Gespräch zu kommen, das viele Menschen betrifft und dennoch häufig tabuisiert wird: Einsamkeit.

Zu der Kooperationsveranstaltung hatten das Multikulturelle Forum, das Bildungswerk Multikulti sowie das Kulturbüro der Stadt Lünen eingeladen. Im Mittelpunkt des Abends stand Luhmanns kürzlich erschienenes Buch „Einsamkeit – Warum sie uns alle betrifft“. Statt einer klassischen Lesung erwartete die Besucherinnen und Besucher ein moderierter Talk: Zeynep Kartal vom Multikulturellen Forum führte durch den Abend und bezog das Publikum mit zahlreichen Fragen und Wortbeiträgen aktiv in das Gespräch ein.

Im Mittelpunkt des Abends standen die Fragen, was Einsamkeit eigentlich bedeutet, wie sie entsteht und welche Folgen sie für Betroffene und die Gesellschaft hat. Maike Luhmann machte deutlich, dass Einsamkeit nicht mit dem Alleinsein gleichzusetzen ist: Während Alleinsein durchaus als positiv erlebt werden kann, beschreibt Einsamkeit das belastende Gefühl, nicht die sozialen Beziehungen zu haben, die man sich wünscht. Ebenso wurde zwischen sozialer Isolation und Einsamkeit unterschieden – denn auch Menschen mit vielen sozialen Kontakten können einsam sein, während andere mit wenigen Kontakten zufrieden leben.

Einsamkeit ist kein individuelles Problem

Ausführlich ging es außerdem um Ursachen und Verbreitung von Einsamkeit. Entgegen der weit verbreiteten Annahme, ältere Menschen seien am stärksten betroffen, zeigen aktuelle Studien, dass insbesondere junge Erwachsene häufig von Einsamkeitsgefühlen berichten. Gleichzeitig sind auch hochaltrige Menschen besonders gefährdet. Darüber hinaus erhöhen unter anderem Armut, Diskriminierungserfahrungen oder eine Zuwanderungsgeschichte das Risiko für Einsamkeit.

Deutlich wurde dabei, dass Einsamkeit kein individuelles Problem, sondern eine gesellschaftliche Herausforderung ist, die eng mit den Lebensbedingungen von Menschen zusammenhängt.

Zum Abschluss richtete sich der Blick auf mögliche Wege aus der Einsamkeit. Schon kleine Begegnungen im Alltag – etwa ein Gespräch beim Bäcker, an der Supermarktkasse oder in Bus und Bahn – können dazu beitragen, soziale Verbundenheit zu stärken, eignen sich aber natürlich nicht dafür, den Schmerz der Einsamkeit unmittelbar zu überwinden. Vielmehr braucht es politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Begegnung ermöglichen: niedrigschwellige,
kostenfreie Angebote und Orte, an denen Menschen unkompliziert miteinander in Kontakt kommen können.

Gesamtgesellschaftliche Herausforderung

Dies sei auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, so Luhmann und nannte als Beispiel Alleinerziehende: „Eine Gesellschaft, die Alleinerziehende unterstützt, bekämpft auch Einsamkeit – denn diese Gruppe wird ganz besonders zwischen den Verpflichtungen der Erwerbsarbeit und der Fürsorgearbeit zerrieben.“

Die Veranstaltung machte deutlich: Einsamkeit ist kein individuelles Schicksal, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung – und ein Thema, das mehr Sichtbarkeit und gemeinsames Handeln braucht.