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Tagebuch zweier Gärtnerinnen

Wir sind Hannah Wolf und Astrid Althoff und werden Sie in den kommenden Monaten regelmäßig mit „grünen“ Themen im Vorfeld der IGA 2027 versorgen.
Als gelernte Landschaftsgärtnerin mit anschließendem Studium bin ich, Hannah Wolf, aktuell eine der Ansprechpartnerinnen
für die IGA 2027 bei der Stadtverwaltung Lünen.
Als gelernte Staudengärtnerin und ehemalige Stadtführerin der Stadt Lünen helfe ich, Astrid Althoff, Frau Wolf bei den Vorbereitungen und der Durchführung der Veranstaltung  „Tag der offenen Gartenpforte“, die die Stadt Lünen bereits 2015 einmalig durchführte.

So, das hätten wir geschafft: der Winter liegt so gut wie hinter uns!  -  Immerhin eine Woche
vom 07. Februar bis Valentin haben wir eine richtige Winterkälte verzeichnet und endlich auch eine richtig dicke Schneedecke gehabt.

Für die Pflanzen in der Natur ist der Schnee besser als blanker Frost. Stellen Sie sich das wie einen Iglu vor. Unter der Schneedecke sind die Pflanzen besser geschützt und wenn es wieder wärmer wird, sickert die Feuchtigkeit peu à peu in den Boden. Und wenn dann die Sonne, die schon Kraft hat, auf die Erde scheint, reagieren die Wurzeln der Pflanzen auf die Temperaturunterschiede mit Austrieb.
Bauernregel: Kalter Valentin, früher Lenzbeginn!

In der Januar Ausgabe haben wir ein paar Tipps zur Beetgestaltung gegeben und auch einige Pflanzen vorgestellt, die im Winter attraktiv sind. Dazu gehörte auch die Elfenblume, botanisch
Epimedium.
Jetzt werden Viele sagen: „Die immer mit ihren botanischen Namen! Für mich sind das Elfenblumen.“, Andere sagen: „Für mich sind das Sockenblumen.“ Die Gattungs-, Art- und Sortennamen sind jedoch wichtig zur eindeutigen Bestimmung, auch, wenn es um die Gestaltung im Einzelnen geht.
Die botanische Nomenklatur geht auf Carl von Linné zurück, die dieser 1753 begründet hat.
Jede Pflanze trägt einen Gattungs- und einen Artnamen, wobei der Artname die Pflanze näher beschreibt. Die Art unterteilt sich ggfls. noch in Sorten.
Bei unserem Epimedium ist dies der Gattungsname, und Arten dürften 60 - 70 verschiedene existieren.
Wir beschränken uns auf die gängigen und auch hier erhältlichen Arten und Sorten.

Epidemien zeichnet ein wundervoll filigranes, herzförmiges Blatt aus, das fest wie Papier ist, und damit auch der Schnecke nicht schmeckt. Die Blätter sind im Austrieb oft rosa überhaucht und tragen bronzefarbene Schattierungen.
Allen gemeinsam ist, dass ein Standort im lichten Schatten bevorzugt wird. Der Boden sollte durchlässig und humos sein; dann wachsen die Arten mit hoher Wuchskraft zu stattlichen Blattflächen mit 20-40cm Höhe heran. Die Blütezeitbeginn bewegt sich zwischen Anfang April und Ende Mai; flaumig behaarte und oben gekrümmte Stiele schieben sich aus der Krume nach oben und wecken die Vorfreude auf den nur kurz währenden den Blütenteppich währt jedoch nur kurz. In der Regel schauen wir ca. 14-21 Tage auf vorwiegend weiße, gelbe, cremefarbene oder zart orange an Orchideen anmutende Blüten auf zarten Stielen ohne Blatt.
Dazu ist es erforderlich, dass der Blattteppich des Vorjahres spätestens Anfang März bodennah gekappt wird (sonst treiben die Blütenstiele aus und man schneidet ihnen den Kopf ab), der Boden damit Licht und Wärme erhält und man den Austrieb der Blüte damit anreizt.
Erst nach dem Blüteaustrieb erscheinen ca. 14 Tage später frische Blatt tragende Stiele, die die Blüten sehr rasch überwachsen und damit die kurze, aber spektakuläre Blüte zur Liebhaberei werden lassen. Je größer die gepflanzte Fläche, umso eindrucksvoller ist die Wirkung.
Ausgezeichnete Sorten sind:
Epimedium x perralchicum „Frohnleiten“
Epimedium pinnatum subsp. colchicum,
Epimedium x versicolor „Sulphureum“
Epimedium x warleyense „Orangekönigin“

(Das „x“ zwischen Gattungs- und Artnamen steht dafür, dass diese Pflanze eine Hybride ist, also aus zwei vorherigen Arten entstanden ist)

Diese wintergrünen Epimedien gehören zur sog. „westlichen Gruppe“, die im Areal der Südalpen und Algerien zu finden ist. Die sog. „östliche Gruppe“ umfasst Arten aus China und Japan, die über eine mäßige Wuchskraft verfügen und i.d.R. horstig wachsen und nur sommergrün sind. Diese bringen aber zusätzliche Farben mit weiß, rosa, rot und purpur in den Garten. Sehr gut bewertete Sorten sind hier:
Epimedium grandiflorum „Akebono“
Epimedium grandiflorum „Nanum“
Epimedium x youngianum „Niveum“


Unser Tipp: wählen Sie die kurz wachsenden Sorten nur für Plätze, an die Sie sich nicht ewig herunterbeugen müssen oder die Sie im Garten besuchen müssen. Also eine halbschattige Stelle auf einer Mauerkrone ist ideal oder im Hochbeet an der Terrasse als Abschluss. Die höher wachsenden Sorten gehören als Gehölzunterpflanzung oder Ergänzung im Blattschmuckteppich in die Rabatte oder sollten für Plätze sein, die im Winter ein attraktives Blattkleid  benötigen und danach diese herrlich filigrane Blüte zeigen, bevor in der Nachbarschaft das Nächste erblüht. Auch, wenn Sie keinen humosen, gleichmäßig feuchten Boden haben: versuchen Sie es mit einer der Sorten aus der westlichen Gruppe. Geben Sie vorher und auch zwischendurch immer mal wieder reichlich gutes Substrat an die Pflanzung. Diese zeichnet sich dann nicht durch einen starken Ausbreitungsdrang aus,  wächst aber doch ansehnlich und langsamer zu einer schönen Blattfläche.

Das Thema gutes Substrat bzw. „Was dünge ich wann und womit?“  behandeln wir in der nächsten Ausgabe!
 

Im Winter sitzen Gärtner und Gärtnerin auch gern einmal in der warmen Stube und überlegen, was sie im kommenden Jahr draußen verändern möchten. Anlass kann sein, dass man nach draußen schaut und feststellt, dass der Garten im schlimmsten Fall wie ein leer geräumtes Gemüsebeet wirkt: kein Blickfang!
Nun hören wir in der Praxis immer wieder: „Ich möchte das ganze Jahr etwas blühen haben!“ Und meinen damit die Zeit von März bis Oktober; dabei ist es auch im Winter schön, ein attraktives Gartenbild zu betrachten!
Setzen Sie sich dahin, wo Sie meistens sitzen und nach draußen schauen oder gehen kritisch draußen dort vorbei, wo Sie täglich vorbeikommen und machen eine Bestandsaufnahme.

Eine gute Beetplanung für alle vier Jahreszeiten kennt verschiedene Lösungsansätze. Am einfachsten ist es, mit dem „Winterbild“ zu beginnen und das Beet dann nach Jahreszeiten peu à peu zu bepflanzen.
Sie stellen fest, dass Ihnen jetzt etwas Immergrünes im Beet fehlt?
Überlegen Sie zunächst, welche Endgröße es braucht, damit es sich in das Umfeld gut einfügt.
Danach, auf welche Form Sie gern schauen möchten: Busch, Säule, Schirm, Kugel, Formschnitt?
Möchten Sie lieber Nadeln, Blätter oder Halme?

Bei den Nadelgewächsen existieren einige Sorten, die als Zwergkoniferen gezüchtet sind und auch in ein kleines Beet passen. Pinus mugo „Mops“ oder Juniperus squamata „Blue Star" gehören z.B. dazu, da sie sehr pflegeleicht und langsam wachsend sind.

Ein interessantes Blatt hat auch der Ilex, im Volksmund auch als Stechpalme bekannt. Besonders schön ist der rote Beerenbesatz auch bei der Gattung Cotoneaster, von denen es verschiedene Arten und Wuchsgrößen gibt.
Sämtliche Rhododendren oder auch ihre Verwandten, die wintergrünen Azaleen, bringen grün ins winterliche Beet. Viele Wuchsgrößen stehen zur Auswahl sowie Sorten, die auch kalktolerant sind, die sogenannten INKARHO-Hybriden. Diese Pflanzenfamilie blüht dann zwischen Mai und Juni in verschiedenen Farben auf.

Auch bei den halmartig wachsenden Pflanzen gibt es Auswahl: Wintergrün sind im Wesentlichen Arten und Sorten der Gattungen Carex (Seggen) und Luzula (Marbeln), die aber besser halbschattig stehen und Sorten der Gattung Festuca (Schwingel), die es sonniger mögen. Natürlich funktioniert auch der Bambus, wobei darauf zu achten ist, dass es sich um eine Sorte handelt, die nicht wuchert.
Meine persönliche Favoritin ist die Luzula nivea (Waldmarbel): halbschattig wachsend, wimpernartig besetzte Halme und eine weiße Flöckchenblüte im Mai, die bis zum Frost stabil weiß bleibt und dem Gras eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Die Blüte wird im Februar mit bloßen Händen aus dem Horst gekämmt und die abgelegten Basishalme mit einem Griff entfernt.

So gefiltert, möglichst noch mit einem Foto und der Beetgröße ausgestattet, stellt Ihnen der Baumschulgärtner und die Staudengärtnerei eine Auswahl zur Entscheidung vor.
Je nach Beetgröße und gewünschter Endgröße der Pflanze(n) werden eine bis mehrere Pflanzen benötigt. Aber bitte nicht nach dem Motto: „aus jedem Dorf ein Hund“ auswählen! Außer, Sie wollen das unbedingt so.
Wenn es schon ein Thema in Ihrem Garten gibt -z.B. Bauerngarten-, dann wählen Sie am bestem passend und in diesem Fall  keinen Schirmbambus dazu aus, weil Sie den schon immer auch toll fanden. Das zerstört den Eindruck!
Ein gut gewähltes Gehölz kann Ihnen umgedreht auch zum Thema verhelfen, weil es als eine Art Hauptdarsteller auf Ihrer Bühne Garten fungiert.

Sie möchten doch nichts Immergrünes für das Winterbild, sondern lieber einen Winterblüher ohne Blatt? - Dann sind z.B. die Zaubernuss, der Duftschneeball, die Winterkirsche oder der Winterjasmin das Richtige für Sie.
Sie wollen Alles? - Die Kamelie, die Skimmie und der wintergrüne Schneeball sind wintergrün und winterblühend.

Sobald Sie das Gehölz ausgewählt haben, geben Sie diesem eine kleine Hofgesellschaft als Begleitung dazu. In Form eines Halbmondes davor, oder als geschlängeltes Band von der Seite  her kommend oder als Teppich rundherum. Für das Winterbild darf es gern etwas sein, das auch im Winter blüht oder ein attraktives Blatt hat. Im schönsten Fall kombinieren Sie kleine Zwiebeln mit flach wachsenden Stauden, die dann zu einem zweiten Zeitpunkt im Jahr das Gehölz noch einmal betonen.

Als Zwiebeln eignen sich z.B. Schneeglöckchen (Galanthus), Winterlinge (Eranthis), Blausternchen (Scilla), frühe, kurze Narzissen und obenauf gepflanzt funktionieren Polsterglockenblumen (Campanula), wintergrüne Farne, Frauenmantel (Alchemilla), Schneeheide (Erica) und Christrosen (Helleborus). Auch die Gattung der Elfenblumen (Epimedium) hat interessante Größen und Blütefarben zu bieten.
Die Gehölze und auch die Stauden können ganzjährig - bis auf die Frostperiode und die große Sommerhitze - gepflanzt werden. Die kleinen Zwiebelgewächse kann man gut blühend pflanzen, so spart man sich Enttäuschungen, da diese als Zwiebel sehr frisch gesetzt werden sollten und schon mal zu lange liegen, bevor sie wieder in den Boden kommen.

Für die weiteren Jahreszeiten kann man entweder warten und dann pflanzen, wenn man blühende Ware bekommt. Das ist einfacher, weil man dann meist weiß, auf was man schauen möchte
(Lieber gelb 40 cm hoch oder rosa 80 cm hoch, buschig oder schlank?) oder man plant am Papier oder einem Foto des Beetes vom letzten Sommer.

Leichter ist es immer, eine Fläche mit größeren Gruppen einer bis max. fünf verschiedenen Pflanzen zu bestücken. Das bringt Ruhe und Harmonie. Je kleinteiliger die Pflanzung gerät, umso schwieriger ist die Planung und auch später die Pflege.

Januar
Im Zuge der IGA 2027 saniert die Stadt Lünen nicht nur die Halde Victoria I/II, sondern auch die in die Jahre gekommenen Parkanlagen. Hierzu zählen unter anderem der Volkspark und Schlosspark Schnwansbell. Im Frühjahr diesen Jahres startet die Sanierung des Volksparks Schwansbell.

Volkspark Schwansbell
Der Volkspark Schwansbell, eine Anlage aus den zwanziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts, hat durch erhebliche Bergsenkungen sowie durch zurückhaltende Pflege sein Erscheinungsbild als Parkanlage fast gänzlich verloren. Einige Rudimente, wie z. B. Brückenbauwerke ohne Gewässer, wenige Ziergehölze oder ein dichtes, aber nahezu funktionsloses Wegesystem, lassen noch die alte Funktion erahnen. Der Park entwickelte sich zunehmend naturnah. Die natürliche Waldsukzession ist in den letzten Jahrzehnten vorangeschritten und hat einen kleinflächigen natürlichen Stadtwald entwickelt. Als Leitbaumarten lassen sich im Süden Quercus robur und im Norden Fagus sylvatica nennen.  Dadurch hat sich eine für den urbanen Ballungsraum seltene Avifauna etabliert.
In Zusammenarbeit mit fachkundlichen Ehrenamtlichen ist ein stimmiges Gesamtkonzept für die zukünftige nachhaltige Entwicklung des Volksparks Schwansbell erarbeitet worden: Im Volkspark soll der Waldcharakter erhalten und durch einen Trimm-Dich-Pfad für den Nutzer erlebbar gemacht werden. Von Pflegeschnitten und ergänzenden Gehölzpflanzungen innerhalb des Waldes wird abgesehen. Die natürliche Waldsukzession soll sich weiterentwickeln und mit der Natur als Architekt gestalten. Die erforderlichen Eingriffe sollen die vorhandenen Ökosysteme schützen und in der natürlichen Weiterentwicklung unterstützen.

Dieses Projekt wird von der Bezirksregierung Arnsberg aus Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Naturschutz und Verbraucherschutz des Landes NRW gefördert.